Theater-AG des Gymnasiums Stolzenau beeindruckt mit Aufführung des Dramas „Die ungeheure Geschichte von Jekyll und Hyde“
Eine gespannte Grundstimmung war an diesem Wochenende im Forum des Gymnasiums Stolzenau zu spüren. Die Theater-AG des Gymnasiums brachte das düstere und spannende Drama „Die ungeheure Geschichte von Jekyll und Hyde“ von Clemens Allweyer frei der bekannten Novelle von Robert Louis Stevenson zur Aufführung und wusste auf ganzer Linie zu überzeugen. In dem die Natur des Menschen erforschenden Stück, das durchweg spannend war, aber auch mit gelegentlichen humoristischen Seitenhieben das Geschehen immer wieder aufzulockern wusste, präsentierte sich das spielfreudige Ensemble des Gymnasiums unter der bewährten Leitung von Elisabeth Lathwesen und Willem-Alexander Rode wieder einmal hochkarätig aufspielend. Die Zuschauer erlebten einen kurzweiligen, gleichzeitig aber zum Nachdenken anregenden Abend, der verdeutlichte, wie dünn die Maske der Zivilisation bei uns Menschen doch oft ist. Die schauspielerisch durchweg glänzenden Leistungen, die stimmigen Kostüme und die gekonnte Erzeugung von Stimmungen auch mithilfe des Lichts ließen das viktorianische London der späten 1880er Jahre lebendig werden.
Der Wissenschaftler Dr. Henry Jekyll (kontrolliert: Lucas Freytag) arbeitet ohne Unterlass daran, eine Tinktur zu entwickeln, die das Böse und Niederträchtige des Menschen vom Rest seines Wesens abspaltet. Die beinahe wahnhafte Fokussierung auf diesen wissenschaftlichen Durchbruch lässt sogar seine Verlobung mit Gwendolyn Lanyon (resolut: Charlotte Luise Schmidt) scheitern, die sich ebenso wie Jekylls guter Freund, der Rechtsanwalt John Utterson (beherrscht: Collin Sydow) um dessen Gesundheit und geistige Verfassung zu sorgen beginnt. Unbemerkt von allen gelingt dem Wissenschaftler schon bald der Durchbruch – allerdings mit ungeahnten Folgen: Er verwandelt sich in den triebhaften Edward Hyde (diabolisch: Mika Paul Fischer), ein degeneriertes Alter Ego seiner selbst, das fortan immer öfter die Kontrolle über ihren Körper gewinnt. Dieser Mr. Hyde macht sich daran, die dunklen Seiten des viktorianischen Londons zu entdecken. Sein erster Anlaufpunkt ist das berüchtigte Red Parrot, ein Treffpunkt für Zuhälter (durchtrieben: Otis Elis Schwan und Albert Tabler) und ihre Prostituierten (rotznäsig: Johanna Eisberg, Annika Hecht), um ihre Geschäfte abzuwickeln. Nachdem ein erstes Stelldichein mit der erfahrenen Prostituierten Molly Cole (sinnlich: Emily Wiesner) und der neu anzulernenden Penelope Carpenter (feurig: Aleksandra Pach) aus dem Ruder läuft, gerät er, der leicht erzürnbare Hyde, mit deren gewalttätigem Zuhälter Davie Crook (mit vollem Körpereinsatz: Mats Köper) aneinander, der unerwartet den Kürzeren zieht. Auch der nichtsahnende Teeladenbesitzer Mr. Carew (höflich: Jacek Ciereszko) wird nach einem versehentlichen Zusammenstoß vor den Augen der Society-Damen Mrs. Fulton (neugierig: Annika Bohn) und Mrs. Carter (hochnäsig: Clara Kirchner) von Hyde zusammengeschlagen. Die beiden Polizeibeamten Sergeant Parker (resolut: Merle Eisberg) und Constable Jones (behielt den Überblick: Helene Emilia Bredthauer) können den gewitzten Hyde, der sich immer schnell unangreifbar zu machen weiß, jedoch nicht fassen. Aufmerksamkeit erregt der mysteriöse Mann allerdings immer mehr, unter anderem sowohl bei einem unschuldigen Blumenmädchen (lebensfreudig: Noreen Winkelhake) als auch bei Gwendolyns Schwester Diana Lanyon (mutig: Josefine Hecht), die ihr Dienstmädchen Klara Pölzl (liebenswert: Jule Clara Gäbe) auf Hyde ansetzt, um mehr über ihn zu erfahren. Ungewollt bringt sie diese damit in Gefahr, was nicht nur Dianas Mutter Mrs. Lanyon (herrlich überdreht: Henryka Pietschmann) aufwühlt. Währenddessen verliert Dr. Jekyll immer mehr die Kontrolle und Mr. Hyde wird immer stärker. Als Dr. Jekylls Haushälterin Mrs. Pole (rührig: Emma Tandezky) dem Geheimnis immer näher zu kommen droht, setzt Mr. Hyde zu einem vernichtenden Schlag an, der auf einem Ball bei Jekylls Freund John Utterson ausgeführt werden soll, der eine Herausforderung für seine Haushälterin Martha (aufmerksam: Maja Kulze-Meyer) darstellt. Einzig der zu diesem Anlass als Gast anwesende bekannte Nervenarzt Dr. Sigmund Freud (herrlich verschroben: Jakob Weisweber) ist an diesem Abend noch ein Hoffnungsschimmer. Doch auch er kann nicht die Ereignisse stoppen, die zu dem unerwarteten Auftauchen der rätselhaften Meggie Smith (komödiantisches Highlight: Mats Albe) und einem irrwitzigen Showdown in Wien führen….
Unverzichtbar für die Wirkung des Stücks war besonders der stimmige Einsatz von Licht- und Tontechnik durch die präzise arbeitende und verlässlich agierende Technik-AG unter der Leitung von Christoph Bremer. Ein großer Dank geht an den Förderverein des Gymnasiums Stolzenau, durch dessen großzügige finanzielle Unterstützung die Durchführung solcher kostenintensiven Projekte immer wieder erst möglich wird. Es bleibt zu wünschen, dass dies auch zukünftig so bleibt und weiter Mitglieder gewonnen werden. Die Theater-AG wird nach den weiteren Aufführungen am Samstag und Mittwoch wieder auf die Suche nach einem neuen Stück gehen, das im nächsten Jahr zur Aufführung gebracht wird. Darauf darf man angesichts dieser talentierten Gruppe von Schülerinnen und Schülern schon jetzt gespannt sein.








