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Die ungeheure Geschichte von Jekyll und Hyde

Das verdrängte Ich

Schülerinnen und Schüler der Theater-AG des Gymnasiums Stolzenau bereiten sich auf die Aufführung des Kriminalstücks „Die ungeheure Geschichte von Jekyll und Hyde“ von Clemens Allweyer nach der Novelle von Robert Louis Stevenson vor

Robert Louis Stevenson schrieb im Jahr 1886 die berühmte Novelle „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, die sich zum Klassiker entwickelt hat. Die Geschichte des Wissenschaftlers Dr. Jekyll, der in Folge seiner Experimente einen Trank entwickelt, der die „böse“ von der „guten“ Seite des Menschen trennt, wird seitdem in der Literaturgeschichte sowie in Film und Fernsehen immer wieder aufgegriffen und variiert. Das liegt daran, dass Stevenson hier die universelle Frage nach der Natur des Menschen stellt, dem Verhältnis zwischen seinem triebhaften, ungezügelten Verlangen und Wollen auf der einen Seite und der kontrollierten, durch gesellschaftliche Konventionen geprägten Vernunft auf der anderen Seite. Der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud formulierte dies als den Kampf zwischen Es und Über-Ich, in dem das Ich beständig steht und vermittelnd Entscheidungen treffen muss. Stevenson treibt dies auf die Spitze, indem er das Es und das Über-Ich ohne die Vermittlung des Ich in der Verkörperung durch Hyde und Jekyll agieren lässt. Hyde übernimmt nach Einnahme des Tranks, der wie eine Droge wirkt, und lebt alles aus, was Dr. Jekyll nie wagen würde – mit todbringenden Konsequenzen. Die Theater-AG des Gymnasiums Stolzenau macht es sich in diesem Jahr zur Aufgabe, diesen komplexen Stoff in einer freien Bühnenfassung von Clemens Allweyer auf die Bühne zu bringen.

Wir schreiben das Jahr 1889: Nach einer Gedenkfeier für den verschwunden Dr. Henry Jekyll erinnern sich dessen guter Freund und Anwalt John Utterson und Jekylls ehemalige Verlobte Gwendolyn Lanyon an die Geschehnisse vor einem Jahr, die zum Verschwinden des Wissenschaftlers führten. Dieser hatte getrieben von wissenschaftlichem Ehrgeiz – zunächst ohne Kenntnis seiner Umgebung – einen Trank entwickelt, durch den er das Böse und Niederträchtige im Menschen vom Rest seines Wesens abzuspalten hoffte. Die Konsequenz dessen war aber nach Einnahme dieses Trankes die Verwandlung Jekylls in sein ungezügeltes Gegenstück Mr. Edward Hyde, der nun immer öfter begann, ein eigenes Leben auf den Straßen Londons zu leben. Dabei führte ihn sein Weg oft ins Vergnügungsviertel der Stadt, wo er nicht nur bei den Prostituierten aufgrund seiner schrägen Vorlieben bald auffiel, sondern auch schnell Konflikte heraufbeschwor, die er mit offener Gewalt auslebte. Dr. Henry Jekyll konnte sich nicht erinnern, was er in der Zeit als Edward Hyde getan hatte, verlor aber zunehmend die Kontrolle über die Verwandlung in sein Alter Ego. Mithilfe des bekannten Psychoanalytikers Dr. Sigmund Freud begannen Henry Jekylls Freunde langsam hinter sein Geheimnis zu kommen, aber der Wettlauf um die Seele Edward Hydes hatte damit erst begonnen – und mit ihm um die Dr. Henry Jekylls…

Das thematisch düstere Stück zeigt sich immer wieder auch von seiner lockeren und amüsanten Seite, ohne jedoch lächerlich zu werden. So wird der Zuschauende sicherlich etwas zum Schmunzeln haben, aber auch mit den Protagonisten die düsteren Abgründe der menschlichen Natur erforschen. Die Theater-AG des Gymnasiums Stolzenau unter der Leitung von Elisabeth Lathwesen und Willem-Alexander Rode arbeitet seit einigen Monaten intensiv daran, das intensive Stück mit 24 aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu einem Erlebnis zu machen. Die AG-Teilnehmerinnen und -teilnehmer setzen sich dazu intensiv mit ihren Rollen auseinander und arbeiten daran, atmosphärisch das viktorianische London, das durch seine rigiden Konventionen die Menschen zur Aufgabe persönlicher Freiheit und nicht gesellschaftskonformer Wünsche drängte, auferstehen zu lassen.

Nach langen Probenwochenenden neben den regelmäßigen wöchentlichen Probenterminen ist es jetzt an der Zeit, das Ergebnis des engagierten Arbeitsprozesses der Öffentlichkeit zu präsentieren. Am Freitag, den 13.03.2026, Samstag, den 14.03.2026 und Mittwoch, den 18.03.2026 ist jeweils um 19.30 Uhr Gelegenheit, im Forum des Gymnasiums Stolzenau herauszufinden, zu welchem Preis die „gute“ und die „böse“ Seite eines Menschen getrennt werden können und ob sie überhaupt ohne einander existieren können.

Alle Beteiligten würden sich über zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer freuen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten.

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